Claire Schönborn rockt die Ardennen im Corsa Rally6

Die Junior-WM-Pilotin legt bei ihrem Gasteinsatz im Rahmen der Spa Rally im neuen Kundensport-Renner aus Rüsselsheim eine starke Vorstellung hin und verpasst den Klassensieg nur mit viel Pech. Auch der frischgebackene Opel-Junior Tom Heindrichs ist bei seiner Heimrallye eindrucksvoll unterwegs.

Im vergangenen August fuhr sie im ADAC Opel Electric Rally Cup die erste Rallye ihres Lebens, gewann dann das „Beyond Rally“-Förderprogramm des Rallye-WM-Promoters, bestritt 2025 eine eindrucksvolle Debütsaison in der Junior-Rallye-Weltmeisterschaft (JWRC) – und am vergangenen Wochenende bestritt Claire Schönborn zu Testzwecken auf einem neuen Opel Corsa Rally6 die Spa Rally in den belgischen Ardennen. Also jene Veranstaltung, die im kommenden Jahr Schauplatz des Saisonfinales im ADAC Opel GSE Rally Cup sein wird. Und die sich als extrem tückisch erwies, wie etwa WRC-Star Andreas Mikkelsen mit einem bösen Crash im Shakedown schon früh erfahren musste.

Die 26-Jährige aus Löffelscheid legte im für sie ungewohnten, 145 PS starken Kundensport-Renner von Anfang an richtig los. Gleich in der ersten Wertungsprüfung verlor sie allerdings Zeit, nachdem sie auf ein vor ihr in den Rundkurs gestartetes, rund 80 PS stärkeres Rallye4-Fahrzeug aufgelaufen war. „Auf der Geraden fuhr er mir immer weg, in den Kurven stand er mir im Weg“, ärgerte sich Claire, die wie gewohnt auf die Ansagen ihres Beifahrers Michael Wenzel hörte.

Mit ihrer ersten WP-Bestzeit übernahmen Schönborn/Wenzel in WP3 die Führung in der RC6-Klasse – nur um in der nächsten Prüfung durch einen Reifenschaden vorne rechts mehr als vier Minuten zu verlieren und ans Ende des Klassen-Klassements zu rutschen. Mit insgesamt acht WP-Bestzeiten arbeitete sich die Opel-Pilotins unverdrossen wieder bis auf den zweiten Klassenrang nach vorne, wobei sie bis ins Ziel nach WP15 mehr als zwei Minuten auf den Sieger wettmachte.

„Klar, der Klassensieg wäre ohne Reifenschaden locker drin gewesen – aber das gehört im Rallyesport eben auch dazu“, kommentierte die Hunsrückerin. „Insgesamt war es eine tolle Rallye. Die Prüfungen waren sehr anspruchsvoll, zumal die äußeren Bedingungen sehr wechselhaft waren. Teilweise waren die Pisten extrem schmierig. Und du musst fast in jeder Kurve cutten, wenn du schnell sein willst – was natürlich die Gefahr eines Reifenschadens sehr erhöht. Du musst genau abwägen, wieviel Risiko du gehen willst. In jedem Cut lag irgendein Stein oder etwas anderes. Der Aufschrieb ist extrem wichtig. Ich prophezeie jetzt schon, dass beim Finale des ADAC Opel GSE Rally Cup nächstes Jahr nochmal richtig was los sein wird …“

Und der Corsa Rally6, Claire? “Ein tolles Einsteigerauto”, schwärmt die JWRC-Pilotin. „Ich hätte nicht gedacht, dass man mit einem 145-PS-Fronttriebler mit Serienreifen so viel Spaß haben kann. Das Auto ist perfekt für einen Einsteiger. Du lernst, den Schwung mitzunehmen, zumal der Corsa Rally6 keine Differenzialsperre hat. Der 235 PS starke R3-Allradler zieht dich auch mal aus einem Patzer raus, das geht mit dem Rally6 nicht. Du musst das Auto laufen lassen und jederzeit alles aus ihm rausholen, um schnell zu sein. Wer das kann, der kann es auch in jedem anderen Rallyeauto.“

Claire Schönborns Gesamtfazit: „Es war eine schöne Rallye, in der ich wieder viel gelernt habe. Und ich fand es auch schön, mal wieder in einem Opel zu sitzen, also mit der Marke zu arbeiten, mit der für mich alles angefangen hat.“

Opel-Junior Heindrichs fährt aufs Gesamtpodest

Neben Claire Schönborn stand Opel noch mit einem weiteren Fahrer im Fokus der Spa Rally. Tom Heindrichs, Gewinner des ADAC Opel Electric Rally Cup 2025 und frischgebackener Opel-Werksjunior, nutzte die Asphalt-Hatz unweit seiner Heimat, um sich erstmals in einem Rally2-Fahrzeug zu versuchen. Und der 21-jährige Belgier legte im rund 280 PS starken Citroën C3 Rally2 los, als hätte er nie ein anderes Auto bewegt. Nach WP3 übernahmen der Bruder des entthronten Rallye-Weltmeisters Thierry Neuville und sein Beifahrer Jonas Schmitz die Gesamtführung, mussten sich nach zwei Reifenschäden (WP9 und WP12) sowie einem Ausritt in WP13 aber letztlich mit Gesamtrang drei begnügen. Aber nichtsdestotrotz: Die Konkurrenz in der Junior-Europameisterschaft 2026, in der Heindrichs/Schmitz im Corsa Rally4 des ADAC Opel Rally Junior Teams antreten werden, sollte sich nicht zu kühl anziehen …