Opel elektrisiert den Rallyesport

Der Opel-Chef und der ADAC Sportpräsident im Doppelinterview mit der ADAC Motorwelt. Michael Lohscheller und Hermann Tomczyk sprechen über eine Weltpremiere: den ersten Rallye-Markenpokal mit rein elektrischen Fahrzeugen – den neuen ADAC Opel e-Rally Cup.

Durchdacht: Der ADAC Opel e-Rally Cup ab 2020 ist Teil eines umfassenden Förderkonzepts

Ganz neue Wege beschreiten der ADAC und Opel nächstes Jahr im Motorsport: Der ADAC Opel e-Rally Cup kombiniert richtungsweisende Technologie mit effektiver Nachwuchsförderung. Opel und der ADAC schlagen damit ein neues Kapitel in ihrer Partnerschaft auf. Im Interview mit der ADAC Motorwelt erklären Opel-Chef Michael Lohscheller und ADAC Sportpräsident Hermann Tomczyk, was dahintersteckt.

Herr Lohscheller, Opel stellt auf der IAA eine Motorsport-Version des neuen Corsa-e vor. Weshalb haben Sie ein elektrisches Rallyeauto entwickelt?

Lohscheller: Weil es perfekt zu unserer Neuausrichtung passt. Opel wird elektrisch, bis 2024 werden wir alle unsere Baureihen elektrifiziert haben. Auf Basis des Serien-Corsa haben wir nun ein elektrisches Rallye-Fahrzeug entwickelt. Als erster Hersteller auf der Welt! Und was mir besonders am Herzen liegt: Mit dem ADAC Opel e-Rally Cup setzt Opel eine lange und erfolgreiche Tradition des Kundensports und der Nachwuchsförderung fort. Gemeinsam mit unserem starken Partner ADAC.

Herr Tomczyk, warum engagiert sich der ADAC für den neuen Cup?

Tomczyk: Für uns ist diese Art von Motorsport neu und eine Herausforderung, der wir uns gerne stellen. Denn dieses Projekt ist eine Investition in die Zukunft. Der ADAC Opel e-Rally Cup richtet sich als Sprungbrett in den Rallye-Sport vor allem an junge Talente.

Wann kann man die Autos zum ersten Mal in Aktion erleben?

Tomczyk: Der Cup startet im professionellen Umfeld der Deutschen Rallye-Meisterschaft, Deutschlands Rallye-Topliga. Die erste Saison ist jahresübergreifend geplant: Im zweiten Halbjahr 2020 geht es mit vier Rallyes los, saisonübergreifend sind mindestens acht Events geplant.

Elektro-Antriebe sind im nationalen Motorsport Neuland. Was erwarten Sie von diesem Projekt?

Tomczyk: Der Cup ist eine Pionierleistung und hat weit über die Grenzen von Deutschland hinaus Signalwirkung für den Motorsport. Elektrofahrzeuge sind bisher überwiegend auf der Rundstrecke vertreten, aber noch nicht in der Rallye. Mit dem ADAC Opel e- Rally Cup bringen wir Elektro-Antriebe jetzt erstmals auf die Rallye-Pisten, in den Breitensport und vor allem in die Nachwuchsförderung.

Der E-Motorsport steckt noch in den Kinderschuhen. Wie wollen Sie die Fans dafür begeistern?

Lohscheller: Ganz einfach: durch richtig starke Vorstellungen auf der Strecke. Der Corsa-e Rally wird mit 136 PS Leistung und einem Drehmoment von 260 Newtonmetern aus dem Stand ein ähnliches Performance-Niveau wie unser aktueller Opel ADAM Cup haben. Wir werden zeigen, dass ein elektrisches Rallyefahrzeug einem gleichstarken Verbrenner mindestens ebenbürtig ist. Wenn auch mit einem ganz anderen Sound als klassische Motorsport-Fan gewohnt sind.

Herr Tomczyk, Sie haben die Nachwuchsförderung angesprochen. Wie stellen Sie sich diese genau vor?

Tomczyk: Gemeinsam mit Opel fördern wir bereits seit 2013 Talente im Rallye-Sport. Wir haben eine erfolgreiche Förderpyramide aufgebaut und eine neue Generation von Rallyefahrern hervorgebracht, die vier EM-Titel geholt hat. Jetzt gehen wir einen innovativen Weg. Durch die Anbindung von Opel an die Groupe PSA gibt es im Förderkonzept zukünftig ganz andere Möglichkeiten.

Herr Lohscheller, Sie haben als erster Hersteller die Entwicklung eines rein elektrischen Rallyeautos gewagt. Was sind die Herausforderungen?

Lohscheller: Das Thema ist komplex. An erster Stelle steht die Sicherheit, die in jeder Phase einer Veranstaltung gewährleistet sein muss. Wir arbeiten hier sehr eng mit dem Deutschen Motor Sport Bund DMSB zusammen, erfüllen oder übertreffen alle Sicherheitsvorgaben. Außerdem geht es darum, den Teams ein leicht einzusetzendes Fahrzeug zur Verfügung zu stellen: zu vernünftigen, gut kalkulierbaren Konditionen. Und natürlich muss die Performance stimmen. Insgesamt ist das Projekt eine große Aufgabe. Aber genau das lieben unsere Ingenieure in Rüsselsheim.