Die Gala des Marijan Griebel

Seit seiner Homologation sammelte der Opel ADAM R2 Siege und Podestplätze in der Familienpackung. Zum Saisonende 2019 neigt sich die erfolgreiche Karriere des flotten Rüsselsheimers ihrem Ende zu. Zeit für eine Bilanz. Teil 3: Die Saison 2016.

Ein Meilenstein in der Motorsport-Historie von Opel: Dreifachsieg des ADAC Opel Rallye Junior Teams in Ypern

Überflieger: Marijan Griebel feiert in Ypern seinen längst fälligen ersten Sieg in der Junior-EM

Pechvogel: Chris Ingram startet stark in die Saison, muss sich dem Stallgefährten aber am Ende beugen

Schönheitsfehler: Der Unfall auf den Azoren wird für Griebel letztlich ein Streichresultat sein

Lehrjahr: Julius Tannert schlägt sich in seiner ersten JERC-Saison phasenweise sehr stark

Die Gesamtbilanz des Opel ADAM R2 liest sich beeindruckend: Seit seiner Homologation im Januar 2014 hat der 190 PS starke Flitzer in 1185 Einsätzen nicht weniger als 263 Klassensiege (Quote: 22,2 Prozent) und 529 Podestplätze (Quote: 44,6 Prozent) eingefahren. Daraus resultierten insgesamt 36 nationale und internationale Meistertitel, unter denen natürlich die vier Europameistertitel in Folge in der FIA ERC Junior Championship durch Emil Bergkvist (2015), Marijan Griebel (2016), Chris Ingram (2017) und Martins Sesks (2018) herausragten.

Weil die Serienproduktion des knuffigen ADAM ausgelaufen ist, endet auch die sportliche Karriere des erfolgreichsten Rallye-Fahrzeugs seiner Klasse. Die Zukunft gehört nunmehr dem neuen Corsa, der als vollelektrische Version im ADAC Opel e-Rally Cup ein neues Kapitel aufschlagen und in seiner R2-Version (die dann unter der neuen Bezeichnung Rally4 laufen wird) ab 2022 auch international an alte Erfolge anknüpfen soll.

Im Rückblick möchten wir die Meilensteine des ADAM R2 nochmals beleuchten und befassen uns diesmal mit der Saison 2016, in der das ADAC Opel Rallye Junior Team erstmals mit drei Werks-ADAM R2 in der Rallye-Junior-EM (FIA ERC Junior) antrat. Am Steuer saßen Marijan Griebel und der Gewinner des ADAC Opel Rallye Cup 2015, Julius Tannert, sowie der junge Engländer Chris Ingram.

2016: Griebel wächst über sich hinaus

Gleich beim ersten Lauf der Rallye-Junior-Europameisterschaft (FIA ERC Junior) in Irland zeigen die Opel-Piloten dem Rest der europäischen Nachwuchs-Elite eindrücklich, wo der Bartl den Most holt. Auf den superschnellen Asphalt-Prüfungen auf der grünen Insel feiern die ADAM-R2-Piloten einen Dreifachsieg. Dass am Ende der polnische Privatier Lukasz Pieniazek vor den beiden Werksautos von Chris Ingram/Katrin Becker und Marijan Griebel/Pirmin Winklhofer landet, ist bestenfalls ein kleiner Schönheitsfehler für die Opel-Junioren. Zumal ein Reifenschaden Griebel in WP8 gut eineinhalb Minuten kostet. Mit sechs WP-Bestzeiten in Folge macht der Pfälzer mehr als eine Minute auf Pieniazek gut, prescht damit noch aufs Podest und erhält für seine beherzte Fahrt von einer Fachjury die„Colin McRae ERC Flat Out Trophy“. Nach einem harmlosen Ausrutscher beenden Julius Tannert und Copilotin Jennifer Thielen ihren ersten Einsatz im ADAC Opel Rallye Junior Team auf Platz 6.

Einen Dämpfer gibt’s für die beiden deutschen Opel-Junioren Griebel und Tannert beim zweiten Lauf auf den Azoren. Während Ingram hinter Lokalmatador Diogo Gago starker Zweiter wird und damit die Führung in der Junior-Europameisterschaft übernimmt, setzt Griebel in Führung liegend seinen ADAM R2 an einen Baum. Auch Tannert kommt unfallbedingt nicht ins Ziel. Doch die Azoren-Rallye wird für beide am Ende ohnehin ein Streichresultat sein. Und das große Saisonhighlight aus Opel-Sicht steht unmittelbar bevor.

Wie im Vorjahr fahren die ADAM-R2-Teams die versammelte Klassenkonkurrenz bei der traditionsreichen Ypern-Rallye in Belgien in Grund und Boden. Nach einer überragenden Leistung feiert Marijan Griebel und Stefan Kopczyk im Feld der nicht weniger als 35 stark besetzten R2-Flitzern seinen längst fälligen ersten Sieg in der Junior-Europameisterschaft. Chris Ingram und Julius Tannert komplettieren auf den weiteren Podesträngen den historischen Erfolg für das ADAC Opel Rallye Junior Team. In der JERC-Gesamtwertung macht Griebel einen Sprung auf Rang 2 hinter Kollege Ingram. Das teaminterne Duell um den Europameistertitel ist damit lanciert …

Die tückische Schotter-Rallye in Estland läutet die zweite Saisonhälfte in der Rallye-Junior-EM ein. Mit den Rängen 2 und 3 hinter dem Einheimischen Miko-Ove Niinemae festigen Griebel (diesmal mit Pirmin Winklhofer auf dem heißen Sitz) und Ingram (neuerdings mit Beifahrer Elliott Edmondson) ihre Doppelführung in der Europameisterschaft. Tannert/Thielen werden starke Fünfte und rücken in der Tabelle hinter Ingram und Griebel auf den dritten Rang vor.

Doch statt der erhofften Asphalt-Gala gibt’s für Marijan Griebel beim vorletzten EM-Lauf in Tschechien einen herben Rückschlag. Während Titelrivale Ingram die Barum-Rallye rund um Zlín vor Markenkollege Pieniazek gewinnt und so seine EM-Führung ausbaut, beschädigt sich Griebel schon in WP5 an einem Pfosten die Lenkung seines ADAM R2. Der Polizeikommissar aus Hahnweiler und Co Winklhofer müssen die erste Etappe damit aufgeben, zünden in der zweiten aber ein Feuerwerk, das sie zumindest noch auf den fünften Rang nach vorne bringt. Auch dieser wird letztlich ein Streichresultat sein. Gleiches gilt für Tannert, den in Tschechien ein Öldruckproblem stoppt.

Damit ist die Ausgangslage für Marijan Griebel vor dem Saisonfinale in Lettland so eindeutig wie schwierig. Der Pfälzer muss das Spektakel rund um Liepaja, das ursprünglich als Saisonauftakt vorgesehen, wegen Schneemangels und der viel zu weichen Pisten aber aufs Saisonende verschoben und zur reinen Schotter-Rallye deklariert wurde, unbedingt gewinnen, um noch Europameister werden zu können. Und das JERC-Finale ist so stark besetzt wie nie zuvor. Alles, was in der europäischen R2-Szene Rang und Namen hat, ist ins Baltikum gekommen. Und jeder Sieger, der nicht Marijan Griebel heißt, macht automatisch Chris Ingram zum Europameister.

Doch der Deutsche legt in Lettland eine Galavorstellung hin, die er selber später als „beste Rallye meines Lebens“ bezeichnen wird. Griebel und Winklhofer gewinnen nach einem glanzvollen Auftritt die Rallye Liepaja und fangen damit ihren Teamkollegen Chris Ingram, der am zweiten Tag von Elektronikproblemen eingebremst wird, in der Gesamtwertung noch um sieben Punkte ab. Tannert bringt den dritten ADAM R2 des ADAC Opel Rallye Junior Teams trotz eines Überschlags noch als Sechster ins Ziel.

Marijan Griebel ist damit der erste deutsche Rallye-Europameister seit 15 Jahren (Armin Kremer). Mit Griebel, Ingram, Pieniazek und Tannert belegen letztlich vier Opel-Piloten die ersten vier Positionen der FIA ERC Junior 2016. Dass Griebel (zum dritten Mal in Folge!) und Tannert im August beim deutschen WM-Lauf, der ADAC Rallye Deutschland, einen Doppelsieg in der RC4-Kategorie gefeiert haben, beweist umso mehr, wer in der R2-Klasse den Ton angibt: der Opel ADAM R2. Und dessen Erfolgsgeschichte ist noch nicht beendet.

Fortsetzung folgt …