Die schnelle Tamara und ihre Jungs

Seit seiner Homologation sammelte der Opel ADAM R2 Siege und Podestplätze in der Familienpackung. Zum Saisonende 2019 ist die erfolgreiche Karriere des flotten Rüsselsheimers zu Ende gegangen. Zeit für eine Bilanz. Teil 4: Die Saison 2017.

Chris Ingram: Im zweiten Jahr als Opel-Werkspilot klappte es mit dem Junior-EM-Titel

Eine schnelle Lady zwischen ihren beiden Jungs: Tamara Molinaro mit Chris Ingram (l.) und Jari Huttunen

Jari Huttunen: Der finnische Champion des ADAC Opel Rallye Cups war superschnell, hatte aber mehrmals Pech

Riesenjubel in Lettland: Europameister Chris Ingram, Opel Motorsport Direktor Jörg Schrott, Ross Whittock

Tamara Molinaro: Die 19-jährige Italienerin sicherte sich schon vorzeitig den Gewinn der EM-Damenwertung

Die Gesamtbilanz des Opel ADAM R2 liest sich beeindruckend: Seit seiner Homologation im Januar 2014 hat der 190 PS starke Flitzer in 1185 Einsätzen nicht weniger als 263 Klassensiege (Quote: 22,2 Prozent) und 529 Podestplätze (Quote: 44,6 Prozent) eingefahren. Daraus resultierten insgesamt 36 nationale und internationale Meistertitel, unter denen natürlich die vier Europameistertitel in Folge in der FIA ERC Junior Championship durch Emil Bergkvist (2015), Marijan Griebel (2016), Chris Ingram (2017) und Martins Sesks (2018) herausragten.

Weil die Serienproduktion des knuffigen ADAM ausgelaufen ist, endet auch die sportliche Karriere des erfolgreichsten Rallye-Fahrzeugs seiner Klasse. Die Zukunft gehört nunmehr dem neuen Corsa, der als vollelektrische Version im ADAC Opel e-Rally Cup ein neues Kapitel aufschlagen und in seiner R2-Version (die dann unter der neuen Bezeichnung Rally4 laufen wird) ab 2022 auch international an alte Erfolge anknüpfen soll.

Im Rückblick möchten wir die Meilensteine des ADAM R2 nochmals beleuchten und befassen uns diesmal mit der Saison 2017, in der das ADAC Opel Rallye Junior Team wiederum mit drei Werks-ADAM R2 in der Rallye-Junior-EM (FIA ERC Junior) antrat. Am Steuer saßen der Gewinner des ADAC Opel Rallye Cup 2016, Jari Huttunen aus Finnland, der Engländer Chris Ingram in seiner zweiten Saison als Opel-Junior sowie mit der erst 19-jährigen Italienerin Tamara Molinaro, die im Rahmen eines ambitionierten Förderprogramms von Red Bull und Pirelli an größere Aufgaben herangeführt werden soll, erstmals eine schnelle Dame.

2017: Drei Titelgewinne für das ADAC Opel Rallye Junior Team

Beim Saisonstart auf den Azoren zeigen Ingram und Huttunen gleich auf Anhieb, wo der Bartl den Most holt. Die beiden Opel-Junioren liefern sich einen Kampf um Biegen und Brechen, der letztlich erst entschieden wird, als am ADAM R2 des führenden Huttunen in der allerletzten Wertungsprüfung, rund 500 Meter vor dem Ziel, eine Antriebswelle reißt. Ingram siegt, Molinaro wird bei ihrem EM-Debüt im ADAC Opel Rallye Junior Team starke Vierte und Gewinnerin der ERC-Damenwertung.

Der zweite Junior-ERC-Lauf auf Gran Canaria sieht den ersten Doppelsieg für das ADAC Opel Rallye Junior Team in diesem Jahr. Ingram und Huttunen distanzieren die Konkurrenz deutlich und fahren in jeweils elf der zwölf superschnellen Asphalt-Prüfungen in die Top-3. Mit dem achten Rang in der R2-Wertung schiebt sich Tamara Molinaro im Gesamtklassement der ERC Junior auf Rang 5 vor. Eine großartige Leistung liefern auch Timo und Rebecca van der Marel ab. Das nicht in der Junior-EM eingeschriebene Ehepaar aus den Niederlanden fährt im ADAM R2 des niederländischen Importeurs in der ERC3-Klasse auf den starken vierten Rang.

Bei der Rallye Rzeszów am Fuße der polnischen Karpaten revanchiert sich Jari Huttunen eindrücklich. Der Finne ist in seinem ADAM R2 in nicht weniger als neun der elf Wertungsprüfung der Schnellste und distanziert damit auch EM-Leader Ingram, der sich für einmal mit zahlreichen Problemen abplagen muss und so nur Achter wird. In der EM liegen Ingram und Huttunen zu Saisonhalbzeit auf den ersten beiden Positionen. Tamara Molinaro, die in Polen Siebte wird und erneut die schnellste Dame im EM-Feld ist, rangiert auf Gesamtrang 7.

Zwischen zwei EM-Läufen legen die Opel-Werkspiloten Huttunen und Molinaro noch einen Abstecher zum deutschen Rallye-WM-Lauf ein. Nach drei Siegen von Marijan Griebel in Folge ist es diesmal der amtierende Cupsieger Huttunen, der bei den R2-Fahrzeugen den Ton angibt. Der Opel-Werkspilot entscheidet 16 der 21 Wertungsprüfungen für sich und siegt am Ende 3:15 Minuten vor Timo van der Marel, der in einem Kunden-ADAM R2 von Opel Niederlande den Doppelsieg für die Rüsselsheimer Marke perfekt macht. Tamara erlebt dagegen eine turbulente Rallye. Einem Problem an der Kraftübertragung am Freitag folgen tags darauf auf der berüchtigten „Panzerplatte“ in Baumholder gleich zwei Reifenschäden. Am Ende verpasst sie Schlussrang 11 nur um sechs Zehntelsekunden.

Obwohl sowohl Ingram als auch Huttunen beim vierten JERC-Lauf nicht ungeschoren davonkommen, feiert Opel auch bei der Barum-Rallye in Tschechien den Sieg. Der Pole Aleks Zawada springt für die beiden Werkspiloten in die Bresche und gewinnt im ADAM R3 des polnischen Importeurs, womit er auch die Führung in der (nicht Streichresultat-bereinigten) EM-Wertung übernimmt. Nach einem Querlenkerbruch und einem Reifenschaden in der ersten Etappe sind die Siegesträume für Ingram schon früh ausgeträumt. Immerhin zeigt er mit dem Gewinn der zweiten Etappe am Sonntag nochmals sein überragendes Potenzial auf. Huttunen versenkt seinen ADAM R2 dagegen in einem Graben und scheidet aus. Für beide wird die Barum-Rallye letztlich eines von zwei Streichresultaten in der FIA ERC Junior sein. Tamara Molinaro wird bei „der wohl schwierigsten Rallye, die ich je gefahren bin“ Achte.

Bei Tamaras Heimspiel im Rahmen der Rally di Roma Capitale geht der Sieg bei einem Lauf der FIA ERC Junior zum ersten Mal seit 14 Monaten nicht an einen Opel-Piloten. Nur 4,7 Sekunden hinter dem starken Tschechen Filip Mares belegt Huttunen bei wechselhaften äußeren Bedingungen, welche die Reifenwahl zum Glücksspiel machen, den zweiten Rang vor Stallgefährte Ingram. Als Sechstplatzierte in der FIA ERC Junior U27 macht die arg Grippe-geschwächte Molinaro bei ihrem Heimspiel vorzeitig den Titel in der ERC Ladies’ Trophy klar.

Beim Finale in Lettland kommt es damit zu einem echten Showdown: Mit Ingram, Huttunen, Mares und Zawada haben noch vier Junioren Titelchancen! Und Chris Ingram behält die Nerven. An der Seite seines Beifahrers Ross Whittock sichert der 23-Jährige aus Manchester der Opel-Truppe mit dem Sieg auch den dritten Titelgewinn in Folge in der Rallye-Junior-Europameisterschaft. Damit wiederholt Ingram nebenbei auch seinen Vorjahres-Erfolg in der Wertung der FIA ERC3.

Für Kollege Huttunen läuft die Schotter-Hatz rund um die lettische Hafenstadt Liepaja derweil alles andere als wunschgemäß. Nach dem ersten Tag liegen der 23-Jährige aus Kiuruvesi und Beifahrer Antti Linnaketo noch komfortabel in Führung, bevor gleich in der ersten Sonntags-Prüfung (WP8) alles schief läuft: Nach einem harmlosen Ausritt gehen in direkter Folge beide linken Reifen kaputt. Weil die Finnen nur ein Reserverad im ADAM R2 mitführen, müssen sie nicht nur die restliche, sondern auch die beiden folgenden Wertungsprüfung sowie die Rückfahrt in den Service mit einem Plattfuß hinten links absolvieren. Dabei verlieren Huttunen/Linnaketo rund zwei Minuten auf Ingram. Die Pechvögel versuchen bis ins Ziel alles, um das Unmögliche noch möglich zu machen, verfehlen den letzten Podestplatz aber letztlich nur um fünf Sekunden. Immerhin erobert Huttunen so noch den Vize-Europameistertitel hinter Opel-Kollege Ingram. Damen-Europameisterin Tamara Molinaro wird bei ihrem letzten Einsatz für das ADAC Opel Rallye Junior Team Achte.

Derweil brennen die schwedischen Führenden des ADAC Opel Rallye Cups, Tom Kristensson und Henrik Appelskog, im privaten ADAM R2 des Audex-Teams ein wahres Schotter-Feuerwerk ab, gewinnen die RC4-Kategorie und geben damit im Ausblick auf die Saison 2018, die sie, wie sich nur wenig später zeigen wird, im ADAC Opel Rallye Junior Team absolvieren werden, eine eindrückliche Duftmarke ab.

Fortsetzung folgt …