Traumsaison mit Emil

Seit seiner Homologation sammelte der Opel ADAM R2 Siege und Podestplätze in der Familienpackung. Zum Saisonende 2019 neigt sich die erfolgreiche Karriere des flotten Rüsselsheimers ihrem Ende zu. Zeit für eine Bilanz. Teil 2: Die Saison 2015.

Das erste Ausrufezeichen: Bergkvist/Sjöberg fahren die Konkurrenz in Lettland in Grund und Boden

Flotter Vierer: Joakim Sjöberg, Emil Bergkvist, Marijan Griebel und Stefan Clemens (v.l.n.r.)

Auch auf Asphalt eine Wucht: Leider stoppt ein Defekt den ADAM R2 von Bergkvist bei der Ypern-Rallye

Überflieger: Ein Reifenschaden kostet Marijan Griebel nach starker Fahrt bei der Barum-Rallye den EM-Vizetitel

Erfolgreiches Heimspiel: Dafür gewinnt Griebel beim deutschen WM-Lauf zum zweiten Mal in Folge die R2-Klasse

Die Gesamtbilanz des Opel ADAM R2 liest sich beeindruckend: Seit seiner Homologation im Januar 2014 hat der 190 PS starke Flitzer in 1185 Einsätzen nicht weniger als 263 Klassensiege (Quote: 22,2 Prozent) und 529 Podestplätze (Quote: 44,6 Prozent) eingefahren. Daraus resultierten insgesamt 36 nationale und internationale Meistertitel, unter denen natürlich die vier Europameistertitel in Folge in der FIA ERC Junior Championship durch Emil Bergkvist (2015), Marijan Griebel (2016), Chris Ingram (2017) und Martins Sesks (2018) herausragten.

Weil die Serienproduktion des knuffigen ADAM ausgelaufen ist, endet auch die sportliche Karriere des erfolgreichsten Rallye-Fahrzeugs seiner Klasse. Die Zukunft gehört nunmehr dem neuen Corsa, der als vollelektrische Version im ADAC Opel e-Rally Cup ein neues Kapitel aufschlagen und in seiner R2-Version (die dann unter der neuen Bezeichnung Rally4 laufen wird) ab 2022 auch international an alte Erfolge anknüpfen soll.

Im Rückblick möchten wir die Meilensteine des ADAM R2 nochmals beleuchten und befassen uns diesmal mit der Saison 2015, der ersten, in der das ADAC Opel Rallye Junior Team die komplette Rallye-Junior-EM (FIA ERC Junior) bestritt. Am Steuer der beiden Werks-ADAM R2 saßen der Deutsche Marijan Griebel und der Gewinner des ADAC Opel Rallye Cup 2014, der junge Schwede Emil Bergkvist.

2015, das Jahr des Emil Bergkvist

Und die Saison beginnt gleich im Februar mit einem Paukenschlag. Bei der Rallye Liepāja in Lettland, dem Auftakt zur FIA ERC Junior, dominiert Opel-Junior Bergkvist die versammelte internationale R2-Elite und feiert nach elf Wertungsprüfungen auf Eis und Schnee mit einer guten halben Minute Vorsprung. Damit belegen Bergkvist und sein Copilot Joakim Sjöberg in der Gesamtwertung der Rallye inmitten der gut 100 PS stärkeren Allradler aus der R5-Kategorie den sensationellen sechsten Gesamtrang! Pech haben dagegen ihre Teamkollegen Griebel und Stefan Clemens, die ebenfalls in der Spitzengruppe mitmischen, dann aber in einen Graben rutschen, wo der ADAM R2 hängen bleibt und sich aufs Dach legt.

Der zweite ERC-Lauf in Irland wird dann zu einem markeninternen Krimi, der Opel Motorsport Direktor Jörg Schrott phasenweise die Haare zu Berge stehen lässt. Bergkvist und Griebel geben sich auf den schmalen, aber superschnellen irischen Asphalt-Prüfungen so richtig Saures und treiben ihre ADAM R2 ans absolute Limit. Letztlich setzen sich Bergkvist/Sjöberg knapp vor Griebel/Clemens durch und feiern für das ADAC Opel Rallye Junior Team einen überlegenen Doppelsieg. Der bestplatzierte Nicht-Opel-Pilot liegt mehr als eineinhalb Minuten zurück!

Einen kleinen Flecken erhält die makellose Opel-Bilanz beim dritten EM-Lauf auf den Azoren. An Bergkvists ADAM R2 fallen in den letzten drei Prüfungen der erste und zweite Gang aus, die auf den engen Schotterpisten auf dem Archipel im Nordatlantik besonders wichtig sind. Der Schwede fällt so noch vom zweiten auf den vierten Rang zurück. Und Griebels Hoffnungen auf einen Podestplatz beendet in der allerletzten Wertungsprüfung eine abgescherte Antriebswelle.

Trotz einer bärenstarken Leistung der beiden Opel-Junioren läuft auch im Juni bei der Ypern-Rallye in Belgien nicht alles nach Plan. In Führung liegend streikt an Bergkvists ADAM R2 der Motor. Und Griebel gleitet der fast sicher geglaubte Sieg auf der letzten WP noch durch die Hände: Reifenschaden. Der zweite Rang kann die Tränen beim Polizeikommissar aus Hahnweiler in der Pfalz nicht verhindern. Wenigstens erbt mit dem Polen Alex Zawada ein anderer Opel-Pilot den Sieg.

Weil in der FIA ERC Junior allerdings nur die vier besten Saisonergebnisse in die Endwertung eingehen, ist Ypern zumindest für Emil Bergkvist ein Streichresultat und im Kampf um den EM-Titel nichts Schlimmes passiert. Zumal der Schweden-Express beim nächsten und vorletzten Lauf in Estland einmal mehr ganz tief in die Talentkiste greift. Auf den schnellen Schotterpisten im Baltikum attackieren Bergkvist/Sjöberg nicht mehr, als sie müssen, und feiern am Ende mit dem zweiten Rang vorzeitig den Titelgewinn in der FIA ERC Junior. Es ist der erste internationale Meistertitel für Opel 19 Jahren (Manuel Reuter im Opel Calibra V6 4x4 in der ITC).

Mit dem sechsten Rang in Estland erhalten sich Griebel/Clemens zum EM-Finale bei der Barum Czech Rallye Zlin die Chancen auf die Vizemeisterschaft. Dass dieses hohe Ziel letztlich nicht erreicht werden kann, liegt an einem platten Reifen, den die Deutschen in der laufenden elften Wertungsprüfung wechseln müssen, was sie auf den vierten Klassenrang zurückwirft. Es bleibt der dritte Schlussrang in der FIA ERC Junior. Derweil feiern die schwedischen Europameister Bergkvist/Sjöberg in Tschechien einen Saisonabschluss nach Maß und feiern ihren dritten Saisonsieg.

Die glanzvolle internationale Saison des ADAC Opel Rallye Junior Teams wird abgerundet durch den zweiten Klassensieg von Marijan Griebel bei der ADAC Rallye Deutschland in Folge. Griebel und Bergkvist fahren im Verlaufe des deutschen WM-Laufs in sämtlichen 21 Wertungsprüfungen Bestzeit und feiern nur deswegen keinen Doppelsieg, weil am ADAM R2 der Skandinavier ein kurioses Problem auftritt: Beim letzten von insgesamt drei (!) Reifenplatzern am Samstag schlagen Gummiteile einen Stecker im Motorraum entzwei, wodurch der ADAM R2 stromlos wird. Bergkvist/Sjöberg werden am Ende Vierte.

Marijan Griebel muss sich also in der Saison 2015 seinem Teamkollegen Emil Bergkvist geschlagen geben. Aber wer nun denkt, dies werde der Karriere des besten deutschen Rallye-Nachwuchsfahrers einen Knacks verpassen, der wird sich noch täuschen. Sehr täuschen.

Fortsetzung folgt …