Die „ADAM’s Family“

Thomas und Johannes Reiter: Warum sich sportlicher Ehrgeiz und Spaß am Rallyesport nicht ausschließen.

Die Reiter-Truppe: Wenn Motorsport in erster Linie Freude machen soll

Während andere, allen voran die frisch gebackenen Opel-Junioren Marijan Griebel und Fabian Kreim, den ADAC Opel Rallye Cup im Idealfall als Sprungbrett für eine internationale Rallye-Karriere sehen, haben sich Thomas und Johannes Reiter mit dem Gedanken arrangiert, dass sie in diesem Leben eher nicht mehr Rallye-Weltmeister werden. Und darum geht es ihnen auch nicht. Wenngleich das Ausloten und Optimieren der eigenen Möglichkeiten einen ebenso hohen Stellenwert haben wie bei allen seriösen Motorsportlern, steht die Komponente „Freude am Rallyesport“ ganz oben auf der Prioritätenliste der Bayern.

Das Brüderpaar sitzt erst seit dieser Saison zusammen im Rallyeauto. „Vier Jahre lang bin ich 200er-Rallyes auf einem Opel Astra gefahren, mit wechselnden Beifahrern, als reines Hobby“, erzählt der 32-jährige Thomas. „Dann entstand die Idee, meinen Bruder als Co aufzubauen, und das hat auch von Anfang an gut funktioniert. Es ist schon hilfreich, wenn man den anderen gut kennt und genau weiß, wie er tickt.“ Man verstehe sich generell sehr gut, ergänzt der zwei Jahre jüngere Johannes: „Klar, hie und da raucht’s auch mal, aber das findet sich dann immer schnell wieder. Wir sehen uns oft, machen gemeinsam Musik und haben ein gutes Verhältnis zueinander.“

Freilich war der Einstieg in den aktiven Rallyesport für Johannes ein großer Schritt. Als „ziemlich genau null“ bezeichnet er seine motorsportliche Erfahrung vor der Saison 2013. „Ich habe einen Beifahrer-Lehrgang gemacht, und das war’s auch schon als Vorbereitung. Die Rallye Erzgebirge war ein Sprung ins kalte Wasser. Ich war allerdings sofort fest entschlossen, das durchzuziehen. Der ADAC Opel Rallye Cup war ideal für mich, weil einem durch das fixfertige Konzept vieles abgenommen wird.“ Außerdem wächst man ja bekanntlich an seinen Aufgaben. „Kommunikation und Aufschrieb klappen schon ganz gut“, lobt Thomas. „Auch ich lerne bei jeder Rallye dazu. Denn das ADAC Masters ist schon was anderes als eine 200er-Rallye – und der Cup-ADAM was anderes als mein früherer Astra.“

Der gemeinsame Antrieb sind die erwähnte Freude am Rallyesport, aber auch der Wunsch nach Wettbewerb. Thomas Reiter: „Mein Astra hatte immer 50, 60 PS weniger als das Konkurrenzumfeld, also war es schwierig, mich mit anderen zu messen. Ich wollte schon mal sehen, wo ich mit gleichem Material stehe. Der ADAC Opel Rallye Cup erschien uns als die geeignete Plattform, und als die hat er sich auch erwiesen. Die Bühne ist für ein Amateurteam toll, weil sie schon vieles bietet, was man sonst selber leisten müsste. Du kannst dich voll aufs Fahren konzentrieren – hinfahren, ausladen, losfahren.“

Bei reinen Privatiers wie den beiden Kaufbeurern spielt das Budget naturgemäß eine entscheidende Rolle. Auch vor diesem Hintergrund ist Thomas, der seine Brötchen als selbstständiger Unternehmer in der Automobil-Industrie verdient (Bruder Johannes arbeitet als Vertriebs-Innendienstler), mit der Saison einverstanden: „Ohne großen Sponsor versucht man natürlich, möglichst wenig Geld durch Unfälle zu vernichten. Da lupft man vor einer haarigen Ecke eher mal oder verzichtet auf einen neuen Satz Reifen. Wir haben das Auto nie kaputtgemacht, Kilometer auf verschiedenen Untergründen gekriegt und unheimlich viel gelernt. Von daher bin ich sehr zufrieden.“

Was die Reiters im Fahrerlager eint: Ausnahmslos jeder mag sie und ihr Team, das sich aus Familienmitgliedern und Freunden zusammensetzt. Wie die Faust aufs Auge passt ihr selbst kreierter Slogan von der „ADAM’s Family“, eine Reminiszenz an ihr Rallyeauto und die Kult-Fernsehserie „The Addams Family“ aus den 60er-Jahren. „Den Jungen musst du das erklären, weil die die TV-Serie gar nicht kennen“, grinst Johannes. „Wir wollen mit dem Slogan den Zusammenhalt des ganzen Teams ausdrücken. Und aus einer Bierlaune heraus haben wir dann auch direkt Aufkleber und T-Shirts machen lassen.“ Thomas fasst zusammen: „Wir werden den ADAC Opel Rallye Cup nicht gewinnen, aber das soll uns nicht davon abhalten, Spaß zu haben. Also fallen wir eben auf anderem Wege auf. Und unser Hauptziel ist der Gewinn der Marketing-Wertung!“