Mit Elan und Ausdauer ins zweite Cup-Jahr

Kevin Müller (24) möchte in seiner zweiten Saison im ADAC Opel Rallye Cup beweisen, dass er das Zeug dazu hat, regelmäßig in den Kampf um die Top-5-Position einzugreifen. Die Ansätze dazu sind beim Mann aus der Eifel zweifellos vorhanden.

Von der regionalen Rallye zum WM-Lauf: Kevin Müller bei der ADAC Rallye Deutschland

Es war nicht die pure Erfahrung in einem Rallye-Auto, die Kevin Müller vor seinem Einstieg in den ADAC Opel Rallye Cup 2015 fehlte – es war die Erfahrung auf der größeren nationalen Bühne, an der es dem Rookie mangelte. Denn in den fünf Jahren vor seinem Cup-Debüt hatte sich der 24-Jährige aus Kempenich in der Eifel ausschließlich bei regionalen Wettbewerben einen Namen gemacht.

„Als ich zu meiner ersten Cup-Veranstaltung im Rahmen der ADAC Saarland-Pfalz Rallye  kam, habe ich erst mal große Augen gemacht“, schildert Müller. „So ein Drumherum wie bei einem DRM-Lauf hatte ich vorher noch nicht erlebt. Die Rallyes, die ich vorher gefahren war, liefen nach dem Schema ab – Hänger abstellen, Rallyeauto und Werkzeugkiste ausladen, eine Bratwurst essen, 35 WP-Kilometer fahren und dann wieder heim.“

Seine sportlichen Erwartungen für das erste Jahr in Europas stärkstem Rallye-Markenpokal waren demnach eher bescheiden. Umso erfreulicher war der gute Grundspeed, den Kevin von Anfang an zeigte. Fünf Top-7-Platzierungen in seiner ersten Cup-Saison standen allerdings auch zwei Unfälle der etwas kernigeren Art gegenüber. Der Deppe-Pilot spricht von einer „Debütsaison mit Höhen und Tiefen, in der es mir gegenüber den Top-Leuten nicht zuletzt an Erfahrung gefehlt hat. Ich war es nicht gewohnt, über eine volle Rallye-Distanz so bedingungslos attackieren zu müssen. Vor allem im Bereich der Top-6 ist der Kampf im ADAC Opel Rallye Cup enorm hart. Der eine oder andere Fehler war die Folge“.

Es spricht für Kevin Müllers mentale Stärke, dass ihn der Crash beim Saisonstart nicht aus der Bahn warf – im Gegenteil. Beim zweiten Wertungslauf, der ADAC Hessen-Rallye Vogelsberg, schnupperte der Newcomer mit Rang vier schon an den Podestplätzen. Doch auch dieses schöne Ergebnis wusste der Mann aus Kempenich einzuordnen. „Vieles in meiner ersten Cup-Saison hatte mit den Charakteristika der Wertungsprüfungen zu tun. Die WPs bei den Rallyes in meiner Region waren sich immer sehr ähnlich, und sie ähnelten auch denen bei der Vogelsberg – Straßen, die kaum breiter sind als das Auto, sehr technisch, viele Kurven. Da fühlte ich mich auf Anhieb wohl. Anders als etwa bei den Rallyes Thüringen oder Ostsee mit den breiten Pisten, auf denen man seine Linie suchen muss. Deswegen habe ich mich auch von diesem vierten Platz nicht blenden lassen.“

Seine zweite Cup-Saison, die er mit seiner langjährigen Stamm-Beifahrerin Sabrina Göller in Angriff nehmen wird, möchte Müller vor allem auf den Erfahrung der Debütsaison 2015 aufbauen: „Ich verbringe momentan viel Zeit im Fitnessstudio, um körperlich besser gerüstet zu sein. Denn was sich im ersten Jahr gelegentlich bemerkbar gemacht hat, war Konzentrationsmangel gegen Ende der Veranstaltungen. Das wurde im Laufe der Saison zwar besser, aber je mehr Energie du zu einer Rallye mitbringst, desto länger kannst du eben dein volles Leistungspotenzial abrufen.“

Auch 2016 wird Kevin Müller im Audex-Team von Guido Deppe starten. Eine Mannschaft, in der er sich rundum wohl fühlt: „Ich bekomme dort uneingeschränkten Rückhalt, alle sind immer für mich da, und wir haben auch über den Winter viel miteinander gesprochen. Das schafft enormes Vertrauen. Wir haben in diesem ersten Jahr unheimlich viel gelernt, und ich war sicher auch ein Paradebeispiel dafür, was bei einem Neuling alles schieflaufen kann. Ich denke, die Fehler sollten nicht noch einmal passieren, und der Speed war ja schon mal nicht schlecht. Also können wir im zweiten Jahr vielleicht regelmäßig die Top-5 ins Visier nehmen. Niklas Stötefalke hat ja gesagt, er will 2016 volle Attacke machen. Dann würde ich sagen, wir hängen uns mal an Stötes Stoßstange ...“