Postkutsche gegen Learjet

Unser Fan-Reporter Christoph Ostheimer, der in einer gemeinsamen Aktion von Opel Motorsport und der Motor Presse Stuttgart ausgewählt wurde, berichtet für euch vom 42. ADAC Zurich 24h-Rennen Nürburgring. Diesmal: Im Interview mit Nordschleifen-Legende Volker Strycek, zweiter Teil.

Postkutsche gegen Learjet: Opel Manta vor Opel Astra OPC Cup

Volker Strycek startet beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring auf zwei Fahrzeugen, die unterschiedlicher nicht sein könnten – zum einen dem Opel Manta, dessen Chassis aus dem Jahr 1990 stammt. Und zum anderen im modernen, 320 PS starken Opel Astra OPC in Cup-Spezifikation. 

Wo sind die größten Unterschiede zwischen diesen beiden Autos in Bezug auf das Fahrverhalten zwischen Front- und Heckantrieb? Kann man sie überhaupt miteinander vergleichen?

Nein. Da liegen Generationen dazwischen, das ist wie der Vergleich zwischen einer Postkutsche und einem Learjet. Der Manta basiert auf einer Technik, die in den späten Siebzigerjahren entwickelt wurde. Das Auto ist sehr fordernd und schwer zu fahren, weil es nicht mal über eine Servolenkung verfügt. Dadurch hast du enorme Lenkkräfte, die in Verbindung mit einer hinteren Starrachse eine enorme Herausforderung für den Fahrer darstellen. Andererseits ist das Auto auch sehr gutmütiges, denn wenn man zehn Prozent Einsatz herausnimmt, ist man immer noch flott unterwegs und kann damit fünf Turns am Stück fahren. Ansonsten kannst du dich am Ende des ersten Turns ins Sauerstoffzelt legen.

Im Gegensatz dazu ist der Astra ein Auto, das sich auf dem aktuellen Stand der Technik befindet und von seinen Grundlagen ein sehr gutes Rennauto ist. Erst am Limit kommt dann die Entwicklungsarbeit zum Tragen, wie du die Aerodynamik, das gesamte Fahrwerk, das Bremssystem und die ganzen elektronischen Helfer abgestimmt hast. In diesem Bereich ist der Astra eine Messlatte in Bezug auf die möglichen Rundenzeiten. Diese wurden noch vor kurzer Zeit von viel stärker modifizierten Tourenwagen aus der SP3T-Klasse gefahren. Man darf nicht vergessen, dass der Cup-Astra ein leicht modifiziertes Serienauto darstellt.

Wie geht der Manta im Regen?

(Lacht) Fürchterlich! Das Auto baut ganz wenig Grip auf, wodurch die Hinterachse unkontrollierbar wird. Du hast keine Chance zum kontrollierten Drift, weil schlagartig der Grip an der Hinterachse abreißt. Beim Astra OPC Cup ist es genau andersherum – die Jungs hoffen auf 24 Stunden Regen. Das Auto ist von seinem Fahrverhalten mit seiner Traktionskontrolle und seinem ESP-Modus einfach gigantisch.

Eine grundsätzliche Problematik bei den 24 Stunden Nürburgring stellen die enormen Leistungsunterschiede im Feld dar. Zwischen dem schnellsten und langsamsten Fahrzeug liegen mehr als drei Minuten. Wird das nicht irgendwann zu einer Gefahr?

Aus der Fahrerperspektive gesehen ist die Antwort: Jein! Es ist immer ein Geben und Nehmen und somit eine Frage des Respekts der Fahrer auf der Strecke untereinander. Der Langsamere muss den Schnellen akzeptieren und umgekehrt. Wenn das der Fall ist, geht alles wunderbar. Die momentane Situation zeigt allerdings, dass der Druck extrem hoch ist. Es sind mittlerweile viele Werksfahrer, viele Werksteams oder werksunterstützte Teams am Start, für die der Sieg ein Muss ist, da man sonst die enormen Budgets nicht mehr rechtfertigen kann. Das macht die Sache schwierig. Denn gerade dadurch wird Druck unter den Fahrern aufgebaut. Jeder Fahrer, der im Rennen seine Pace nicht fahren kann, hat Angst um seinen Fahrervertrag für die nächste Saison. Dieser Aspekt birgt Gefahr. Viel schlimmer ist jedoch, wenn auf einem schnellen Auto ein Fahrer sitzt, der da nicht hingehört, oder auf einem langsamen Auto einer, der da auch nicht draufgehört. Dann wird es gefährlich.

Vielen Dank, Volker, für deine Zeit und deine spannenden Antworten!