„Verliere nie den Respekt vor der Nordschleife!“

Unser Fan-Reporter Christoph Ostheimer, der in einer gemeinsamen Aktion von Opel Motorsport und der Motor Presse Stuttgart ausgewählt wurde, berichtet für euch vom 42. ADAC Zurich 24h-Rennen Nürburgring. Diesmal: Im Interview mit Nordschleifen-Legende Volker Strycek, erster Teil.

Faszination Nordschleife aus berufenem Munde: Volker Strycek und Fan-Reporter Christoph Ostheimer

Es ist Samstag vormittag, wenige Stunden vor dem Start des ADAC Zurich 24h-Rennens Nürburgring. Ein gut gelaunter Volker Strycek empfängt mich für ein exklusives Interview rund um die Faszination Nordschleife und das 24-Stunden-Rennen. Das Diktiergerät ist eingeschaltet, los geht’s ...

Guten Morgen, Volker, was macht für dich die Nürburgring-Nordschleife aus?

Die Nordschleife kann man in Wirklichkeit gar nicht beschreiben, man muss sie selbst erlebt haben. Die Rennstrecken, die es auf der Welt gibt, sind nicht einmal im Ansatz mit der Nordschleife vergleichbar. Zum einen ist es die pure Länge der Strecke mit über 25 Kilometern, die Topographie der Strecke und natürlich der Schwierigkeitsgrad, der hier auf der Nordschleife herrscht. Das heißt, du hast hier eine Rennstrecke, die alle Schwierigkeiten in sich vereint. Von schnellen Kurven über langsame Kurven, von engen Kurven über aufmachende Kurven, du hast zwei Steilkurven, Sprünge, Kuppen – letztendlich alles, was hier an der Strecke stattfindet, gibt es nirgendwo anders auf der Welt.

Das Problem ist aber auch, dass die Rennstrecke 1927 eröffnet wurde, also richtig in die damalige Landschaft eingebettet wurde. Dadurch lebt die Nordschleife. Sie verändert sich täglich, und das ist der Reiz, der von der Nordschleife ausgeht. Wenn du glaubst, dass du dich hier oben auskennst, dann bist du in einem Irrglauben. Denn du lernst die Nordschleife jeden Tag neu kennen. Sie verändert sich vom Grip-Niveau, weil plötzlich Wellen da sind, Aufbrüche im Asphalt, die zum Beispiel über den Winter entstanden sind, weil die Nordschleife einfach Natur ist. Deshalb ist sie so schwierig und so einzigartig, und das macht letztendlich die Faszination aus, diese Rennstrecke zu fahren.

Darum sage ich auch zu allen: Verlier niemals den Respekt vor der Nordschleife, auch wenn du schon hunderte Runden gefahren bist. Du musst dich für jede Runde neu konzentrieren, denn die Nordschleife verzeiht keinen Fehler. Selbst kleine Fehler enden in der Regel in einem Blechschaden. Neben der Strecke sind direkt die Leitplanken, es gibt keine riesigen Auslaufzonen. Wenn du fünf oder sechs Runden gefahren bist und denkst, jetzt läuft es gut, kommt schon wieder eine neue Herausforderung. Dieses prickelnde Gefühl ist nicht kopierbar, und deshalb ist die Nordschleife einfach die Nordschleife.

Und worin besteht die besondere Faszination des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring?

Wenn Du einmal selbst dabei warst, erlebst du eine Atmosphäre, die auf ihre Weise einzigartig ist. Wenn du auf der Einführungsrunde bist und die Fans an der Strecke stehen, die das Auto berühren, dich abklatschen, wirklich die erste Runde mitfühlen wollen, ist das ein einzigartiges Gefühl. Als ich damals mit dem DTM-Astra V8 unterwegs war, habe ich an die Box gefunkt, dass ich Gänsehaut habe. Wenn du als Fahrer erlebst, wie die Fans dich 24 Stunden begleiten und jede Runde jubeln, wenn du vorbei fährst, ist das etwas, das man nicht in Worte fassen kann. Ich freue mich jedes Jahr wie ein kleiner Junge auf das Rennen.

Unser erstes Ziel besteht immer darin, die Distanz durchzufahren. Und um das zu schaffen, diese rund 120 Runden ohne Zwischenfälle zu überstehen, bedarf es einer enormen Teamleistung im Vorfeld, einer perfekten Vorbereitung des Autos und fehlerfreier Arbeit während der 24 Stunden. Am Sonntag um 16.00 Uhr fällt die Anspannung von Monaten ab, und du siehst gestandene Männer mit Tränen in den Augen, das ist einmalig.

Bei all den Fans, die an der Strecke stehen – kann man sich überhaupt noch konzentrieren? Oder gibt es Streckenabschnitte, an denen die Fahrer sogar abgelenkt sind?

Eine sehr gute Frage! Es ist teilweise richtig schwierig, dich nicht ablenken zu lassen. Du weißt genau, nach der Hohen Acht über der Kuppe stehen Opel-Fans, die während der ganzen Nacht tröten und hupen, wenn du bei ihnen vorbeikommst. Du musst dich richtig konzentrieren, sonst verpasst du den Einlenkpunkt und steckst in der Leitplanke. Ich merke manchmal selbst, dass ich, wenn ich müde werde und die Konzentration etwas nachlässt, obwohl sie das nicht sollte, länger hinschaue und dadurch mitunter einen kleinen Fehler mache. Auf der anderen Seite hat Opel eine riesige Fangemeinde, auf die sich die Marke verlassen kann und auf die wir sehr, sehr stolz sind. Denn jede andere Marke beneidet uns um diese Fans. Diese Fans sind unbezahlbar, und diesen Fans musst du etwas zurückgeben. Einfach mal danke sagen für die tolle Unterstützung, im Fahrerlager ein Autogramm geben und vor allen Dingen, ihnen zuzuhören.

Was zeichnet einen echten Opel-Fan aus?

Ich erzähle Dir eine kleine Anekdote dazu: Im vorletzten Jahr kommt eine Fangruppe auf mich zu und erzählt mir, sie selbst haben einen Manta mit einem Fuchsschwanz, weil unser Manta auch einen Fuchsschwanz hat. Ihr größter Wunsch sei es, dass ihr Fuchsschwanz an unserem Manta eine Runde mitfahren darf. Und natürlich haben wird das gemacht, wir haben einfach ihren Fuchsschwanz an unseren drangehängt. Als der Manta mit den zwei Fuchsschwänzen im Fernsehen gezeigt wurde, stand die Gruppe mit Tränen in den Augen in der Boxengasse und hat sich vor dem Manta verneigt.

Den zweiten Teil des Exklusiv-Interviews mit Volker Strycek lest ihr morgen auf dieser Website.